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Stressfreie Körperpflege von Kleinkindern

Die große Sorge der Eltern um die (Zahn-)Gesundheit ihrer Kinder ist es, die den Blick auf die eigentlichen Bedürfnisse und Wünsche des Kindes verklärt und zu so manch herausfordernder Situation führt, wenn es um Themen wie Zähne putzen, baden oder Haare waschen geht. Da wird unter schweißtreibenden Mühen und Protest seitens des Kindes gereinigt, gewaschen und geputzt. Die Kleidung mit allen möglichen verfügbaren Strategien irgendwie ans Kind gebracht. 

 

Weil schließlich MUSS das doch sein... Ja wirklich? MUSS das wirklich SO?

 

Also klar, eins vorweg: Wir als Eltern stehen natürlich in der Verantwortung dafür Sorge zu tragen, dass ein gewisses Maß an Hygiene einfach erfüllt wird - aus diversen Gründen, vor allem aber natürlich vorrangig zur Erhaltung der Gesundheit. Unsere Aufgabe besteht dabei aber nicht darin auf Biegen und Brechen unsere elterliche Macht gegenüber dem Kind zu demonstrieren, indem wir da einfach dies und jenes machen, weil es ein Muss ist. Vielmehr besteht unsere Aufgabe darin, dass wir die richtigen Rahmenbedingungen dafür schaffen, dass unser Kind die tägliche Körperpflege (und damit auch die tägliche Zahnpflege) als etwas Entspannendes und Wohltat fürs eigene Wohlbefinden erfahren kann.

 

Einige denken sich nun vermutlich "Ja no-na-ned - schon klar, dass ich meinem Kind dabei nicht ungut tun will" 

Und ich unterstelle auch Niemandem Dergleichen. Aber habt ihr euch schon mal überlegt was das Kind, das sich zB gerade JETZT nicht die Windeln gewechselt bekommen mag und dann einfach mal *hopps* aufgenommen und am Wickeltisch zum Wickeln hin platziert wird, vielleicht in der Situation denken könnt?

Es erfährt sich selbst als nicht gehört, als ohnmächtig. Es wird gegen seinen Willen gehandelt und dann im schlimmsten Fall auch noch ohne weitere Erklärungen seitens der "Autoritätsperson" 

Aber natürlich geht es auch anders :) Wie so oft.

Man kann dem Kind erklären, warum es notwendig ist, dass XY gemacht werden MUSS. Man kann gemeinsam KOMPROMISSE eingehen, wenn das Kind ein gewisses Alter erreicht hat. Man kann ZEIT GEBEN. Man kann sich als Elternteil mal auch einfach selbst WENIGER STRESSEN.

 

Vielleicht helfen dir folgende Infos ein bisschen dabei der ganzen Thematik ein bissl den Druck rauszunehmen:

  • Zu häufige Verwendung von Duschgel o Badezusätzen schaden der Haut - besser sind kurze Duschgänge oder die berühmte Katzenwäsche mit Öl-Wasser-Gemisch, um den wertvollen Schutzfilm der kindlichen Haut noch so lang als möglich zu erhalten. Ist dein Kind alt genug, um Vereinbarungen zu verstehen und mit dir einzugehen, kannst du auch dein Kind sich selbst unter deiner Anleitung waschen lassen. Wichtig finde ich persönlich - egal wie jung das Kind ist - immer, dass du kommunizierst was passieren wird und die Reaktion darauf abwartest bzw. auf die Reaktion deines Kindes eingehst. Emmi Pikler hat sich in einigen Werken eingehend mit der Thematik Säuglingspflege befasst, falls du dich hierzu näher informieren möchtest.
  • Wenn dein Kind in einer Phase ist in der es sich ungern von der (eventuell bereits recht vollen) Windel trennen möchte, verwende zur Vorsicht beim Frischmachen vor dem Anlegen der neuen Windel eine Schutzcreme - dann hast du schon mal einen Stressfaktor (wunder Po) weniger. Generell zur Thematik sauber werden...das kommt, wenn es kommt! Jedes Kind ist individuell und braucht dementsprechend unterschiedlich lange dafür. Hier irgendwas zu erzwingen oder mit Belohnungen zu arbeiten, führt zu Nichts. Das klappt dann richtig gut, wenn die intrinsische Motivation seitens des Kindes vorhanden ist.
  • Und abschließend noch zum Thema Zahnpflege - Karies entsteht nicht, weil mal an einem Tag nicht richtig geputzt wurde ;)
    Laut dem Gesundheitsportal Österreich ist es bis in etwa zum 3. Geburtstag ausreichend, wenn das Kind 1x täglich die Zähne putzt, Begonnen werden sollte mit der Zahnpflege, wie mittlerweile hinlänglich bekannt sein sollte, bereits ab dem 1. Zahn. Weiter heißt es nicht umsonst "Die Zahngesundheit beginnt bereits im Mund der werdenden Mutter" - Karies wird durch Bakterien hervorgerufen, welche übertragbar sind. Sollten also du oder ein anderes Familienmitglied an Karies leiden, erstmal hier ordentlich behandeln und vermeide es das selbe Besteck wie das Baby zu benutzen. (Das Schnuller - wenn sie denn verwendet werden- nicht von irgendwem abgelutscht werden sollten, bevor sie in Babys Mund wandern, muss ich hoffentlich nicht extra erwähnen....) 

 

Ja, und wie läuft das bei uns so ab?

 

Also, wir haben von Geburt an mit Fräulein Sonnenschein drei Mal die Woche Badetag. Als sie noch ein ganz kleines Baby war, wurde in der Babybadewanne gebadet, ausschließlich in Wasser und Muttermilch. Nachdem sie durch das erste Bad nach der Geburt, welches aufgrund meiner Notsectio nicht von mir selbst durchgeführt wurde, scheinbar etwas traumatisiert war, hatten wir zu Beginn wirklich einiges damit zu tun ihr die Angst vor dem Wasser zu nehmen. Hierbei hatte mir meine damalige Nachsorgehebamme wirklich sehr hilfreich zur Seite gestanden. Richtig entspannt wurde es für das kleine Fräulein aber erst, als dann gemeinsam gebadet werden konnte. Hier wurde als Badezusatz hochwertiges Mandelöl aus dem Reformhaus verwendet. Was auch immer gewaschen wurde, sie wurde darauf vorbereitet, indem wir einfach immer mit ihr gesprochen haben.  Als sie dann mit so circa 20 Monaten anfing ihre Selbstwirksamkeit so richtig auszutesten und das Anerkennen ihrer Autonomie einzufordern, haben wir begonnen ihr anleitend bei der Körperpflege beizuwohnen. Die Stellen, die wirklich eine fachgemäße Säuberung benötigen, durften (und dürfen) nach Einverständnis von Fräulein Sonnenschein dann nochmal nachgereinigt werden. Als Badezusatz verwendet sie aktuell am liebsten DAS hier. Schäumt so schön und sie hat die größte Freude mit den riesigen Schaumtürmen.

 

Da wir grade windelfrei geworden sind, verwenden wir zwar nun keine Schutzcreme mehr, aber diese hier war echt Gold wert. Solltet ihr übrigens auch grad am Übergang zu Windelfrei sein, hier meine Herzensempfehlung bezüglich Trainerhöschen: Bambino Mio - einfach klasse! Superleicht zu reinigen und Fräulein Sonnenschein tut sich richtig schön leicht die selbst an und auszukriegen. Von mir gibt´s für die gleich 2 Daumen hoch :)

 

Ja und nun zum Thema, dass wohl Groß und Klein am meisten beschäftigt - die Zahnpflege... Hier nochmal ganz speziell, weil ja auch der Sonnenscheinpapa in dem Bereich tätig ist... Ich habe in meiner Ausbildung zur Pflegeassistenz, die ich vor der Schwangerschaft begonnen hatte, nicht nur einmal zu hören (und auch zu lesen) bekommen

 

"Der Mund respektive die Mundhöhle der zu pflegenden Person ist ebenso als Intimbereich anzusehen"

 

Mit diesem Wissen um die Besonderheit und Empfindsamkeit der Mundhöhle sind wir dann also auch die Zahnpflege unserer Tochter angegangen. Als der erste Zahn sichtbar wurde (war bei Fräulein Sonnenschein mit 9 Monaten der Fall), wurde die erste Babyzahnbürste gekauft, welche sie sich selbst aussuchen durfte - natürlich haben wir als Eltern da eine Vorauswahl an für ihre Bedürfnisse geeigneten Zahnbürsten getroffen. Und erstmal wurde mit reinem Wasser geputzt - von ihr selbst. Das sah dann ungefähr so aus, dass sie am Bürstenkopf rumgenagt hatte. Mit Mr. Teds (das ist der Schmusebär, den das Fräulein seit ihrer Geburt besitzt), durften dann auch Mama oder Papa nachputzen.

Jetzt, mit über zweieinhalb Jahren, ist es so, dass Fräulein Sonnenschein selbst ins Bad stapft und sich ihre Zahnbürste holt, wenn ihr danach ist und sich Zähne putzend zB zum Buch schauen auf den Kinderzimmerteppich setzt - und was soll ich sagen? Bitte, soll sie - Hauptsache, die Zähne sind geputzt! Was ich damit sagen will: Hier müssen (zumindest vom Fräulein) die Zähne nicht zwingend im Badezimmer geputzt werden. Denn mir ist es lieber sie putzt sie freiwillig und mit Freude bzw. lässt uns dann auch bereitwillig und ohne Zwang ordentlich nachputzen (und ja, das sollte man bis zumindest zum Schuleintritt machen!), als dass ich ihr das Zähneputzen aufgrund von starren Vorgaben wie "Das MUSS aber über dem Waschbecken passieren" oder Ähnlichem vermiese. Mittlerweile hat sie nämlich selbst die Sinnhaftigkeit des Zähneputzens IM Badezimmer verstanden (tja, in jedem Raum hat man halt nicht den tollen Wasserhahn zum selbst aufdrehen...) - und immerhin gibt´s das leckere Zahnputzgel nur da.  ;)

 

So meine Lieben, das war mein Wort zum Donnerstag und zum Thema stressfreie Körperpflege von Kleinkindern.


Wie macht ihr das denn? Habt ihr Anregungen und Tipps, was man noch machen kann?

Ich bin gespannt auf eure Antworten in den Kommentaren!

 

Wir tauchen dann mal ab!

 

Bis bald,

eure Betti