Wo beginnt Gewalt?

"Jedes Kind hat das Recht auf gewaltfreie Erziehung."

(Bundesverfassungsgesetz über die Rechte von Kindern. Artikel 5, Abs. 1)

Ferner wird in diesem Abschnitt erläutert, dass das Zufügen seelischen Leidens und anderer Misshandlungen verboten ist. 

Ich habe lange überlegt, ob ich zu dieser Debatte etwas schreiben sollte. Bei den meisten Diskussionen, die darüber geführt wurden, ging es nämlich um nonverbale Übergriffe auf die Kinder. Also konkrete, physische, rohe Gewalt.

 

Womit wir alle glaube ich jedoch weitaus häufiger außerhalb unserer bedürfnisorientierten, kleinen Welt konfrontiert werden, ist die stille Gewalt. Still, weil keiner sieht, WAS sie mit den Kindern macht. Wie sehr sie Leiden zufügt. Diese gefährliche, schleichende, stille Gewalt - dieses mit Worten tiefe Wunden verursachen... 

 

Wird man Zeuge einer Handgreiflichkeit gegenüber einem Kind, wird man - wenn genug Courage vorhanden ist - vermutlich in irgendeiner Art und Weise direkt einschreiten. Manchmal denkt man sich aber vielleicht auch "Was, wenn ich es durch mein Handeln für das arme Kind noch schlimmer mache?"

 

Wie oft passiert es, dass Kindern Schläge (oder *Klapse* aufn Po - das macht es übrigens nicht weniger verwerflich - Gewalt ist und bleibt Gewalt!) angedroht werden bzw. einfach mal so auf die Finger geklopft wird? Und diese besonders niederträchtige Form der Gewalt - nämlich die psychische Gewalt - gegenüber Kindern steht doch leider bei sehr vielen noch an der Tagesordnung.
Das permanente Ausnützen einer angeblichen höheren Stellung. Die andauernde Machtdemonstration. Dieses Nicht-Anerkennen des kindlichen Seins und Eigen-Sinns. Dieses Runterputzen und Diffamieren im Beisein anderer Leute...ich könnte hier noch ewig weitermachen...

In meinen Augen ist auch DAS ALLES GEWALT - weil dies definitiv zu seelischen Leiden der Betroffenen führt. 

Es ist in Summe nun aber leider in unserer Gesellschaft so, dass den Kindern - trotz verfassungsgesetzlich beschlossener Rechte - genau diese nicht in vollem Umfang zugestanden werden. Ein Kind, das Gewalt - auf welche Art auch immer - erfährt, steckt in einer massiven Krise . Und das auf mehreren Ebenen. Dieses Kind wird sich kaum selbst an die Polizei wenden und die Tat zur Anzeige bringen. Es fühlt sich seinen Eltern trotz Allem irgendwie verpflichtet...

Und hier liegt es an uns als Gesellschaft NICHT wegzusehen! Einzuschreiten! 

Sei es der "Frontalangriff", sei es das Melden der Tat.
WIR als Erwachsene haben mehrere Möglichkeiten auf das Leid aufmerksam zu machen!

 

 

 

TUN WIR ES!

Wer ist zur Mitteilung an den Kinder- und Jugendhilfeträger berechtigt?

 

Jede Person ist berechtigt, eine Kindeswohlgefährdung der Kinder- und Jugendhilfe zu melden.

 

Wenn Sie als Nachbar/in, Bekannte/r, Verwandte/r der Familie etc. weder "einfach wegschauen" noch gleich zur Polizei gehen wollen, ist eine Meldung bei der Kinder- und Jugendhilfe eine gute Möglichkeit, eine Abklärung einzuleiten. Der Kinder- und Jugendhilfeträger ("Jugendamt") muss Meldungen nachgehen und kann professionell die Situation einschätzen und handeln. Er kann dem Kind bzw. der Familie Hilfe anbieten und ist nicht zur Anzeige verpflichtet.

 

Den Kinder- und Jugendhilfeträger erreichen Sie über das zuständige Magistrat  bzw. bei Ihrer Bezirkshauptmannschaft. Die örtliche Zuständigkeit richtet sich nach Wohnsitz des Kindes.

 

Ein Formular zur Meldung an die Kinder- und Jugendhilfe bei Verdacht auf Kindeswohlgefährdung und eine Einschätzskala zur Kindeswohlgefährdung in Kindertageseinrichtungen finden Sie unter Literatur verlinkt.

(Quelle: https://www.gewaltinfo.at/recht/mitteilungspflicht/)